Sonntag, 2. März 2008

Texte von Herrn H. zu Bildern von Frau S.

theke-1

Aus der Rubrik "Strichmännchen, das auf einer Theke sitzt und von besseren Zeiten träumt"

...

es war einmal ein strichmännchen
das zählte sich selbst aus

zehn

ich werde noch lange hier sitzen
ich werde so lange hier sitzen
bis ich irgendwo draußen sitze
draußen wird es schimmern
und ich werde meine verlorenheit suchen
ich werde an einer brücke stehen
und an ein glückliches weh denken

neun

den letzten hut muss jemand anderer getrunken haben
denn er ist schon wieder leer
mein nicht zu bezahlendes gebiss fordert mich zu einer ehrenrunde auf
so viel klee wächst draußen dass man die wände der neubauviertel damit verbünden kann

acht

die haare sind fast gänzlich verschwunden; wie niemals da
und doch verlassen sie mich nicht die erinnerungen an tropfende
wasserhähne und meine strichmännchenmutter die über mich gebeugt singt
ein wehes kleines lied; ein lied das klingt wie nicht anwesend;
lange tage der unruhen; wenn alles verdächtig erscheint; selbst
die züge die pünktlich in den bahnhof rollen....
ein zuckerwattenverkäufer ohne waffenschein; ein hutmacher mit einer
bildungslücke; es gab immer eine entfernung die ich aushielt; die
langen strecken bis man wieder ankommt; sich die stunden die längst
verschwundenen einheimst; ein kaum entdecktes wort schon wieder
verschwunden; vor allem sind diese dinge da; sind der bestand; ich kleckere die strassen voll damit, die augen immer zu den hüten; die gedanken mit schiebetüren; diese langen schritte bis man wieder ankommt; das helle aus den augen; vielleicht im
fluß ein neugeborener hut zwischen anderem geäst schimmert er wahrscheinlich
blaulich um im gedanken schon wieder rot anzulaufen

sieben

gleich zieh ich die jacke an wenn da noch eine jacke ist
wenn da keine jacke ist zieh ich auch die an die man
immer vergisst
mit den blutunterlaufenen stellen
mit den schritten die man einheimst
immer dieselben schritte
die vorweggenommenen sätze
die einfühlsamen pläne verschwinden hinter den spuren der gradlinigkeit
und immer wieder diese hüte die ein leben ohne verkleidung versprechen
nie wieder ein taubes ohr dass man erkennen muss
ein kleines schaudern und dazwischen
dieselben unmöglichen schritte
als hätte man schon alles begraben und warte nur noch auf seine eigene schicht
so ein warten; das duldet nur den verzug
die langen schritte bis man wieder ankommt; der morgen vergessen hinters licht geführt
jeder gedanke kann eine sehnsucht sein
eine die fällt
eine die später wieder fehlt
wenn man aufsteht um sich niederzulegen

sechs

noch einen korn bitte herr wirt
damit ich im bett von den vergessenen fliegen träum
die sich über mein stolpern lustig machen

fünf

ich habe mich beinah verzählt weil sich strichmännchen immer verzählen
aber ich habe mich nicht verzählt
ich habe mich bevor ich mich verzählen konnte daran erinnert dass
ich mich verzähle und so habe ich mich nicht verzählt

vier

man möchte ja gerne an das ewige glauben
aber immer wenn ich an das ewige glaube
kommt irgendein radiergummi und setzt sich neben mich
schaut mich lange an und fragt mich dann
an was ich glaube

drei

bin ja nur ein strichmännchen
ein strichmännchen für eine landschaft
drei hüte im kopf die ich nicht haben kann
drei umhängetaschen für das meer
das auch ein see sein kann
es kommt nicht so drauf an
ich bin immer für den notgroschen
der längst kein notgroschen mehr ist
weil es keine notgroschen mehr gibt
und selbst wenn es welche gäbe
was könnte man anderes damit anfangen als sich zu erinnern
wie es noch welche gab und was ist das für eine erinnerung
eine erinnerung die man sich ins haar schmieren kann
wenn man noch ein haar hat

zwei

ich stelle mir manchmal vor ich laufe durch die strassen
und alle drehen sich nach mir um
sie drehen sich nach mir um weil ich einen hut hab
und weil ich höflich bin
sie werden zuhause nur davon reden
wie ich den hut aufhab und wie höflich bin
und sie werden weiter einen großen bogen um mich machen

eins

in den umhängetaschen wachsen die hüte
die hüte sind die uniform des geistes
sie wecken die luft
sie betrachten den himmel immer so als müsste der sie beneiden
als könnte man damit etwas wecken
mit all diesen gemachten sätzen
ausgesprochen sind sie deshalb noch lange nicht
spirit2die4 - 3. Mrz, 21:55

mehr

Bitte mehr Texte von Herrn H. zu Bildern von Frau S. - das ist ja genial!!!
spirit2die4

stilettos - 11. Mai, 00:24

wunder Bar! bitte mehr davon .....

Sabine (p2)

Frau Sue - 11. Mai, 22:34

Meer...

Ja. Das Meer. Mayday... Maday...

Es ist Abend. Seit Monaten ist es Abend und der Mond scheint helle.

Der Mond scheint und es ist Abend. Nebelschwaden. Dichte Nebelschwaden.

Wir tasten uns durch. Ich taste mich durch. Tastsinn.

Wo ist das Meer?

Es stolpern Fuß und Fuß, sie stolpern. Hinfallen. Durch tasten.

Das tun wir. Durch tasten, stolpern, hinfallen. Durch tasten. Das Schaukeln der Sonne. Es kümmert. Mich. Es kümmert.

Wie das schmeckt. Putze mit den Zehen meine Zähne. Zähne.
Wozu sorgen. Sorglos zieh ich mich aus. Zieh mich aus.

Benommen schau ich in den Spiegel. Benommen. Spiegelsprung.
Strömung kommt auf. Oh weh, die Steckdose. Umkehr. Kehr um.

Bug an Bug. Das Meer sinkt. Mayday. Mayday. Dreh ab.

Sturm kommt auf. Erbsensuppe. Spült, Leck im Deck, Backbord voraus.

Maday. Kreischen. Noch mehr Kreischen. Halts Maul. Du auch. Dumm guck. Absauf.

Meerschwarz. Strömung kommt auf. Scheiss Drogen.

Tiefes Meer, finsterer Mond. Tiefe Sterne am dunklen Grund.

Wunder Bar! Immer Meer! Leck im Deck...

Frau Sue´s Spaziergänge in einer Pfütze

Mit und ohne Hut an Frau.Sue@gmail.com

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the white lake knight - 21. Jul, 15:46
Wie toll ist das denn?!
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Randolph Carter - 20. Jul, 23:55
Ich finde auch
... dass das Lied gut zur Wiedereinführung passt....
Frau Sue - 20. Jul, 01:51

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